Donnerstag, 15. März 2018

TBBT - Warum ich es liebe. Hasse. Eigentlich mag. Doch ziemlich scheisse finde


Ich weiß nicht, wann ich die erste Folge von The Big Bang Theory gesehen habe. Ich weiß nur noch, wie ich die erste Folge mit meinem Vater sah.
Zu sagen, wir beide sind sehr unterschiedlich, wäre wohl die Untertreibung des Jahres. Nicht nur, was Geschmack und Lebensweise angeht, auch unsere Herkunft und Kindheit sind völlig verschieden. Uns trennt nicht nur eine Generation, sondern auch über 1.400 km unsere Geburtsorte.
Aber vor allem seit ich mehr oder weniger "erwachsen" bin, kommen wir immer besser mit einander aus. Nicht, dass wir früher immer gestritten hätten oder so. Ich würde rückblickend sagen, dass wir  beide um Harmonie bemüht und diplomatisch genug waren, um viel zu umschiffen, was Ärger bereitet hätte. Als ich kleiner war, waren das wohl recht viele Themen. Wir haben zwar miteinander geredet, aber keine echten Gespräche führen. Das liest sich vielleicht traurig, aber das war es nicht. Ich habe immer gedacht, dass ich aus seinem Schweigen viel mehr lesen kann, als bei anderen Menschen aus viel Geschwätz. Heute frage ich mich, ob es ihm ähnlich ging und wir beide einfach nur in unsere Pausen zwischen dem, was wir sagten, einfach das hineingelesen haben, was uns gefiel.
Dadurch Übereinstimmung sahen, die vielleicht nicht da war, aber uns beiden recht war.

Übereingestimmt haben müssen wir aber bei ollen SciFi-Filmen aus den 80ern. Wenn meinem Vater diese nicht gefallen hätten, hätte er einfach umgeschaltet. Oder wäre eingeschlafen. So aber haben wir, als ich noch kleiner war, viel von dem Zeug zusammen geguckt. Da durfte ich dann auch schon mal länger auf bleiben, um zu erfahren, wie es denn ausgegangen ist.
Offiziell allerdings findet mein Vater ScienceFiction total blöd. Ich bin mir nicht sicher, ob das daran liegt, dass er das Genre generell als schmuddelig ansieht oder ob er nur einfach richtigen Trash als SciFi sieht und beispielsweise Terminator als Thriller. Oder so.

Vielleicht hätte es mich also nicht überraschen sollen, als ich bei einem Besuch bei meinen Eltern einen fröhlichen Vater antraf, der mir so eine neue Serie zeigen wollte, die mit "so lustigen Physikern" ist.
Wir haben dann eine der ersten Folgen aus der ersten Staffel von The Big Bang Theory zusammen gesehen und ich war begeistert. Er auch. Und ich war verwirrt, warum er begeistert war. Aber auch erfreut.
Ich war begeistert, weil da eine Serie war, bei dem eine Gruppe Menschen, die genau das Zeug mag wie ich, die Hauptrolle spielen. Und es wirkte so echt. Die wussten nämlich genauso viel wie ich über die Enterprise und hätten am liebsten auch den Typen von Fox verprügelt, der für die Absetzung von Firefly verantworlich war.
Auch dass sie gern auf Mittelaltermärkte gingen und andere verschrobene Hobbys hatten, fand ich sehr sympathisch. Und über die ganzen Witze, die eigentlich Insider für WoW-Spieler oder DC-Comic-Fans waren, habe ich mich sehr gefreut.

Aber mein Vater konnte das doch nicht verstehen. Die paar SciFi-Filme konnten ihm doch nicht erklären, warum eine Unterhaltung über die Frage, ob Superman nur hoch springt oder fliegt, so lustig ist. Ich habe ihn also gefragt. Er meinte, er könne sich vorstellen, dass da noch mehr Witze drin sind, die sich ihm entziehen, aber für ihn wären genug da.

Ich war also eine Weile zufrieden, hatte eine lustige Serie und konnte meinen Vater immer mal wieder drauf ansprechen und wir konnten uns an witzigen Sprüchen erfreuen.

Allerdings gab es dann Amy. Und spätestens ab Amy fand ich die Serie scheiße. Oder auch nicht. Aber ich war auf jeden Fall enttäuscht.
Amy wird zuerst als ein männlicher Sheldon eingeführt. Sheldon entspricht nicht dem gängigen Bild eines jungen männlichen Erwachsenen. Nicht nur, weil er ein Nerd ist, sondern vor allem, weil er nicht die ganze Zeit notgeil ist. Dass die anderen in der Gruppe - natürlich vor allem Howard - andauernd hinter Weibern her sind, mag man anfangs noch einfach der Tatsache geschuldet sein, dass sie eben junge Männer sind, aber spätestens mit Amy nervt es. Mag sein, dass ich nie ein junger Mann war und diese Darstellung von Untersextheit durchaus realistisch ist, aber mich nervts schon.
Amy wird zum weiblichen Howard gemacht. Vielleicht wussten die Autoren nicht, wie es mit einer weiblichen Sheldon weiter gehen sollte, aber ich war schwer enttäuscht, als sie auch aus ihr eine Untersexte Frau gemacht haben. Zumal in ihrer Vorstellung eine junge Frau mit zu wenig Sex - zumindest ihrer Definition von "zu wenig Sex" - einfach ein junger Mann mit zu wenig Sex und Brüsten ist.

Diese Enttäuschung hat mir die Augen geöffnet. Unter den ganzen Nerd-Witzen ist es eine Serie, die zwar scheinbar Verständnis für den "Nerd" aufbringt, aber eigentlich für die Menschen, die sich nicht verstehen, nur die Möglichkeit lässt, sich über die "schrägen Typen/Tusen" zu amüsieren.
Und das Frauenbild ist auch unter aller Sau. Frauen sind hübsch und begehrenswert, aber dumm. Oder schlau und verschroben, aber hässlich. Oder niedlich. Oder halt "geht so".
Die hübschen Frauen nutzen die schlauen Kerle nur aus - und damit ist nicht nur Penny gemeint, sondern bespielsweise auch die Nachbarin, die irgendwann über den Nerds einzieht - und müssen von den Nerds "was geboten" bekommen, damit sie sich mit ihnen abgibt.
Sei es Aufmerksamkeit, tägliche Gefälligkeiten oder das Bar-Mizwa-Konto von Howard.

Das Bild des "Nerd" kommt genauso schlecht weg: Statt eine große Vielfalt zu zeigen, die dieser Begriff darstellt, bilden die vier Nerds die typischen Vorurteile, die immer als "Nerd" definiert werden. An sich ist das okay, denn für eine Sitcom solche Stereotype zu verwerten mag man noch verstehen, aber dann sollte man sich als Macher nicht auf die Fahnre schreiben, dass man die Nerds so lieb hat.
Andauernd geht es nur um den gesellschaftlichen Wert. Und zwar um den Wert, den die Figuren bei attraktiven Vertretern des anderen Geschlechts haben. Oder in wie weit sie selbst sich dazu erbarmen, hässlichere zu daten. Z.B. ist Leonard mit einer hübschen Juristin zusammen, muss die ihn natürlich betrügen. Oder warum zur Hölle ist keiner von denen stolz auf ihre Doktortitel? Und warum haben die scheinbar keinen Wert? Nur das Geld, dass sie verdienen und ihr Aussehen.
Obwohl Sheldon der Verrückte sein soll, ist er hier noch der Normalste. Finde ich. Wenigstens er ist stolz auf das, was er beruflich macht. Definiert sich nicht über seie Fickbarkeit.

Als dann endlich mehr Frauen dazu kommen, ist keiner von denen ein Nerd. Sie sind zwar Wissenschaftlerinnen, aber finden "Nerd-Kram" auch albern und doof.
Was denn nun, liebe Serienmacher? Mögt ihr Nerds jetzt oder findet sie albern? Und warum kann keine Frau ein Nerd sein. Oder nur Nerd sein, um Leonard für ein paar Folgen in Versuchung zu führen.
Ihr habt mich damit geködert, dass ich mich darüber freute, dass ihr nicht nur stumpf Witze macht, sondern auch noch Witze, bei denen man Ahnung haben muss von bestimmten SciFi- und Fantasy-Themen. Das hat mich erst echt gefreut. Auch, dass ihr zu verstehen schient, wie aufregend es sein muss, Summer Glau in der Bahn zu treffen oder auf die Comic-Con zu gehen.
Aber dann hab ihr es mit mir veschissen.
Papa hat jetzt Netflix. Wir können auch über Person of interest reden. Oder Seinfeld. Dass er das zum totlachen findet, zeigt mir, dass er nicht von euch verdorben worden ist!




Sonntag, 18. Februar 2018

Discovery...Dings...


Nachdem ich nach etwas längerer Pause gestern drei Folgen Star Trek-Discovery gesehen habe, muss ich mal etwas halbherzig rumranten. "Halbherzig" passt gut zur Serie. Drum habe ich mich nur halbherzig um Spoiler gekümmert. Vielleicht sollte man also lieber nicht weiterlesen, wenn man noch nicht die elfte Folge hinter sich hat. Oder auch doch, wenn es einem eh egal ist. Dann sollte man auf jeden Fall weiterlesen:

Hui, habe ich mich auf eine neue Star Trek-Serie gefreut! Vor allem, als ich hörte, dass sie bei Netflix laufen sollte. Gut, ist wohl auch so, dass sie dort auch nur läuft. Gemacht wird sie immer noch von CBS. Wie auch alle Star Trek-Serien zuvor.
Aber hey, es muss doch cool werden. Immerhin haben wir bei Voyager, Enterprise und DS9 gelernt, wie eine Geschichte einen Bogen über mehrere Folgen, sogar Staffeln spannen kann. Und dass es auch durchaus mal interessant ist, die guten Sternenfotten-Leute in Umgebungen zu sehen, in denen ihre hohen Ideale an ihre Grenzen kommen.
Wobei es das auch in den älteren Serien gab, nur da waren die Ideale nicht nur hoch, sondern für die Offiziere unumstösslich.

Ich würde also sagen, ich bin kein orthodoxer Trekker, der die Föderation als ewiges Paradies gezeigt bekommen muss. Die neuen Star Trek-Filme fand' ich recht unterhaltsam, Sektion 31 ist zwar eine etwas arge Entwicklung weg vom Roddenberry'schen Utopia, aber auch mit der bin ich klar gekommen. Die Geschichten dazu waren nämlich meist ziemlich gut.

Klar, ist die eigentlich Stärke von Star Trek eben die Abgrenzung von den sonst überall üblichen Distopien im SciFi. Vor allem im TV. Die munter naive Art der Besatzung der Enterprise NX01 war auch einfach süß. Voller Begisterung und Tatendrang ab in die neuesten Abenteuer. Dagegen wirkte die NCC 1701-Crew unter Picard schon bisschen steif. Was habe ich mal dazu gehört: Mischung aus Maritim.Konvention-Center und Aida-Clubschiff.

Ich war also auf irgendwas dazwischen gefasst. Oder vielleicht wieder ein Schiff der Extreme: Extrem weit weg (Voyager), extrem bewaffnet und immer in Konfliktregionen unterwegs (Defiant) oder vielleicht mal die Abenteuer eines Zeitreiseschiffs, wie es in Voyager auftaucht.
Auch dass die Geschichte dem ersten Offizier und nicht dem Captain folgen sollte, war für mich jetzt keine schlechte Nachricht. Eher etwas verwirrend, da die anderen Serien jetzt auch nicht großartig immer nur dem kommandieren Offizier gefolgt sind. Klar, die Chefs sind wichtig, aber bei Star Trek war eigentlich immer das Team im Focus.
Das fehlt mir bei Discovery am meisten.

Bei allen anderen Serien wusste man spätestens nach ein paar Folgen wenigstens grob, wer die Führungsoffiziere und vielleicht noch ein paar weitere Gestalten waren.
Bei Discory weiß ich immer noch nicht, wer die Frau mit den kurzen glatten roten Haaren ist und dem künstlichen Auge. Oder die glatzköpfige Androidin. Ist sie überhaupt eine? Oder die Steuerfau mit dem coolen Undercut. Oder der Typ, der hinen an der Brücke steht.
Die alle werden immer mal reingeschnitten, wenn das Drama eines Momentes unterstrichen werden soll und sie alle belämmert dreingucken.
Der Typ darf auch mal was rufen.
Und wahrscheinlich sollte ich von der Frau mit dem künstlichen Auge auch den Namen wissen, weil sie schon auf der Shenzhou war und auch im Paralleluniversum eine etwas größere Rolle spielt...aber die plätschern nur so nebenher. Diese Figuren.

Burnham selbst mag ja ganz toll gespielt sein, aber sorry, die gefühlskalten Vulkanier und Halb-Vulkanier habe ich im Struggle mit ihren Mitmenschen oder eigenen Gefühlen jetzt schon seit 50 Jahren auf der Brücke. Erst Spock, dann Data (kein Vulkanier, aber auch emotionslos. Hier unfreiwillig, aber gleiche Ausgangslage), Tuvok, T'Pol. Da kommt ein Mensch als Vulkanier irgendwie auch albern. Ganz abgesehen davon, dass es auf die vorherige Geschichte keine Rücksicht nimmt (Spock war schon das Riesending, als Halbvulkanier, ihm jetzt eine menschliche Halbschwester unterzujubeln ist...naja), ist es einfach langweilig.

Die vulkanische Sicht kennen wir zu Genüge, wie schon geschrieben, aber auch diese genaue Außensicht auf die Menschen hatten wir oft genug.
Odo hat das aufgebrochen: Er war so femd, wie Spock einst auf dem überwiegend menschenlichen Schiff schien und kann auch eine Außensicht bieten, aber seine ist neu und anders, weil er eben kein emotionsloser Vulkanier ist.
Aber Burnham ist da nichts Neues. Wäre sie bei irgendeinem anderen Volk aufgewachsen, wären da neue Perspektiven, das wäre doch mal was.
Und als Fan-Service empfinde ich auch nicht gerade, so eine ausgelutschte Spezies, wie die Vulkanier wieder hervorzuholen. Zumal man die Figur dann noch so auf Biegen und Brechen mal gleich in die Familie des berühmtesten Vulkaniers quetschen muss.

Bei Discovery geht man sogar noch einen Schritt weiter und bekommt einen zweiten Vulkanier/Androide/Odo auf der Brücke geliefert: Commander Saru.
Und der kann spühren wenn der Tod kommt. Echt jetzt? Das wäre so vielleicht akzeptiertbar, aber im Star Trek-Universum? Es mag ja Q und Propheten geben, aber dennoch ist es ein streng rationale naturwissenschaftliches Universum. Und dann sowas?

Dann doch lieber Chakotay und seine tierischen Berater. Oder die Bajoraner und ihr Abgesandter. Spannung zwischen Föderationsstatuten und religiösen/kulturellem Selbstverständnis, aber so wager Hokuspokus?
Zumal ich mich frage, wie jemand, der so unsicher wirkt, es überhaupt in eine Kommandoposition geschafft hat. Barclay ist  auch auf einer Forschungsstation gelandet und nicht erster Offizier geworden.

Vielleicht bin ich doch zu orthodox. Diese Möglichkeit will ich nicht abstreiten. Muss dann aber auch fragen, warum man dann eine Star Trek-Serie macht, wenn man bloß eine Mischung aus Fan-Service - der Fans mehr vor den Kopf stößt, als Service bietet - und völliger Nichtbeachtung von allem bisher Bekannten bietet.
Zumal im Vorfeld daraufhin gewiesen wurde, dass die originale Zeitlinie als Grundlage gelte. Wirkt eher so, als wüssten die Macher gar nicht, was das bedeutet.
Der Tribble auf dem Schreibtisch des Captains ist da ein gutes Beispiel: Der bekannte Sound, das bekannte Vieh, aber man fragt sich die ganze Zeit "WTF soll der da? Und wieseo vermehrt der sich nicht? BonesPille McCoy kommt Jahrzehnte später und hatte keine Möglichkeit gefunden die schwanger geborenen Tribble zu sterilisieren...."

So als hätte jamend mal ein paar Folgen der alten Serien geschaut, sich überlegt, was er davon in seine neue Star Trek-Serie einbauen könnte und eigentlich keine Ahnung gehabt.
Ich fang auch jetzt nicht mit den Klingonen an.
Das würde nur ausufern.
Ich mache es einfach genauso, wie die Macher es mit den alten Serien gemacht zu haben scheinen: Ich gucke Discovery, aber pass nicht richtig auf.
Die anfängliche Begeisterung über eine neue Star Trek-Serie ist nur noch einer Art Pflichtgefühl gewichen, das sich mit Phasen von wiederaufkeimender Hoffnung, dass es besser wird abwechselt.
Die Hoffnung ist nich ganz tot, da auch bei den anderen Serien die ersten Staffeln nun keine großen Würfe waren.
Der Trekker versucht das Gute zu sehen!

Sonntag, 9. Juli 2017

Strange Books 2 - S

In der heutigen Folge der erstaunlichen Serie "Strange Books"  wollen wir uns dem Buch mit dem kurzen Namen "S" widmen. Oder auch "Das Schiff des Theseus". Oder auch das Buch von J.J. Abrams. Ohne Lensflare. Star Trek-Fans können nun kichern.

Dieses Buch hat eine kleine Identitätstörung. Oder eher Realitätsprobleme. Natürlich volle Absicht. Es fängt damit an, dass nicht ganz klar ist, wer der Autor ist.
Ist es J.J. Abrams oder Doug Dorst oder doch V.M. Straka. Und wie eben schon on geschrieben: Auch der Titel ist nich ganz klar: "S" oder "Das Schiff des Theseus"?
Habe ich das Buch etwa in der Bibliothek geklaut?
Es sieht zwar so aus, aber ich kann versichern, ich habe es gekauft. Es wirkt auch viel zu neu, um ein altes Bibliotheksbuch zu sein, auch wenn es alles dafür tut so auszusehen. 
Ein bisschen wie die ollen Bücher aus der Schulbibliothek in denen noch von der DDR die Rede ist. Sind mir zumindest in der fünften Klasse noch ein paar begegnet. In Leinen eingebunden. Fühlt sich zumindest so an und weckt tatsächlich ein paar Erinnerungen an die 5te Klasse und dreissig Jahre alte Bücher. Und wie es in der Schulbibliothek gerochen hat.

Aber das hat alles gar nichts mit "S" zu tun. Auch nicht mit "Das Schiff des Theseus".
J.J. Abrams und sein Kumpel Doug Dorst wollten wohl einfach nur mal Menschen wie mich glücklich machen. Menschen, die Bücher nicht nur als Medium für Geschichten oder Wissen sehen, sondern auch das haptische Erlebnis durchaus zu schätzen wissen. Wenn es denn statfindet.
Das übliche Taschenbuch ist nunmal kein Ding, dass man gern betatscht oder gar daran riecht.


Auch wenn der Inhalt des Buches total mies gewesen wäre, so hätte mich die Mühe, mit der dieser Inhalt präsentiert wurde sehr glücklich gemacht.
Apropos Inhalt: Der ist zuerst einmal das Buch "Das Schiff des Theseues" geschrieben von einem gewissen tschechischen Autor namens V.M. Straka.
Es erzählt die Geschichte von einem Typen, der keine Vergangenheit zu haben scheint. Er wurde auf ein Schiff gebracht, auf dem die Manschaft seltsam still ist und ihm wie tot erscheint. Das Schiff selbst ist in einem mekrwürdigen Zustand, da es teilweise wie neu ist und teilweise wie kurz vor dem Verfall steht.

Hier fährt wohl tatsächlich das Schiff des Theseus aus dem ontologischen Gedankenexperiment herum: Ist ein Ding - in diesem Fall Theseus' Schiff - noch das gleiche Ding, wenn alle seine Einzelteile ausgetauscht wurden? Ist der namenlose Mann immer noch er selbst? Auch ohne seine Erinnerungen, Klamotten, Namen? Ist er das Ergebnis eines Experiments in der Richtung am Ich eines Menschen?

Die Geschichte fühlt sich für mich ein bisschen so an, als hätte Franz Kafka auf eine Folge Fringe genießt, die im Russland der 50er Jahre spielt.
Falls jemandem das hilft sich etwas darunter vorzustellen. Falls nicht: Die Geschichte des Mannes ohne Vergangenheit ist nicht schlecht. Keine wirklich hohe Literatur. Ein bisschen Frage nach Identität, Bedeutung der Kunst in Gesellschaften mit oppressiven Obrigkeiten und was man noch alles darin finden mag.
Aber was das ganze Buch interessant macht, ist eben nicht der Roman allein:

Es ist die Summe. Schon auch der Roman, aber hinzu kommen noch die Kommentare des Übersetzers F.X. Caldeira und natürlich die "handschriftlichen" Anmerkungen von zwei Studenten.
Das Buch enthält auf eigentlich fast jeder Seite scheinbar handschriftlich hinzugefügte Kommentare von diesen beiden Studenten in zwei unterschiedlichen Handschriften. Sogar in immer wieder wechselnden Farben.
 Der Student Eric hat die ersten Kommentare eingefügt. Er ist dem
Rätsel, dass den Autor Straka umgibt auf der Spur: Niemand weiß, wer Straka ist und viele Legenden ranken sich um dessen Identität und Verschwörungstheorien um jene, die dieser Identität auf der Spur waren.
Eric bringt das Buch wieder in die Uni-Bibliothek aus der er es geliehen hatte. Hier entdeckt die andere Stundentin - Jen - das Buch.
Sie hat gerade erst begonnen sich ernsthaft mit Straka zu beschäftigen und kommentiert die Kommentare von Eric. Da auch sie das Buch zurück in die Bibliothek bringt, muss Eric sich das Buch nur irgendwann wieder ausleihen...

So beginnt in diesen Anmerkungen auch eine Kommunikation über das Buch zwischen den beiden auf den Seiten des Buchs.
Aber das Buch dient nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern auch dazu, Dokumente und andere Dinge zwischen den beiden auszutauschen: Kopien, Briefe, Postkarten. Alles Mögliche auf das die beiden während ihrer Recherchen zu "Das Schiff des Theseus" und V.M. Strka stoßen.

Diese "Dokumente" sind auch keine doofen Blättchen. Die Postkarten fühlen sich an und sehen aus wie sie richtige Postkarten, die Kopien haben auch diese schwarzen Ränder, wie sie Kopien haben und sind nich richtig scharf, bei den Briefen wurde sich mühe gegeben es nach richtigen Handschriften aussehen zu lassen.
Was mich aber wirklich in Verzückungen versetzt hat, war die Stelle, als Erik Jen von einer Karte des Campus schreibt, die er in einem Cafe auf eine Serviette gezeichnet hat.
Er schreibt, er lege sie in das Buch und dort finde auch ich sie.
Und es ist wirklich eine Serviette. Nicht nur bloß ein Stück Papier, dass wie eine Serviette aussehen soll, nein, es besteht aus dem gleichen Material wie eine Serviette, ist gefaltet wie eine und ist auch mit dem Logo des Cafes bedruckt.

Natürlich ist klar, dass dieses Buch nicht wirklich in einer Bibliothek herum lag und dass diese beiden Studenten und auch alles andere nicht wirklich existiert, aber es macht richtig Spaß sich darauf einzulassen.
Klar, bei jedem Roman lässt man sich auf das Universum der Erzählung ein, aber hier macht dieser eigentlich unbewusst nebenher laufende Prozeß gerade so viel Spaß, weil er einem so bewußt gemacht wird.
Mir zumindest.  
Es war ein bisschen wie der Unterschied zwischen Theater und Zaubervorstellung. Bei einem Theater ist mir nicht so klar, dass ich alles auf der Bühne im Kontaxt der Geschichte als "wahr" betrachte. Bei einer Vorstellung von einem Illusionisten frage ich mich die ganze Zeit wie er das gemacht hat und muss mich einfach bei jedem Trick entweder darauf einlassen, dass ich es nicht weiß und das ganze so hinnehmen und mich daran erfreuen oder ich kann es nicht und es nervt mich nur.

Kann also durchaus sein, dass es auch so manchen Leser nervt sich von den beiden Studenten aus der Geschichte reißen zu lassen oder das Konzept an sich den Genuß der Geschichte stört.
Ich kann auch keine Empfehlung geben, wie das Buch am besten zu lesen ist. Manche haben wohl erst das Buch an sich gelesen, dann die Kommentare.
Ich habe immer eine Seite des Buches gelesen und dann direkt die Kommentare dazu und auch direkt die "Einlagen" dazu.
Es reißt einen zwar tatsächlich aus der "Theseus"-Geschichte, aber für mich war das der Witz an der Sache: Ich lese es, als wäre ich der dritte Student und werde so ein bisschen Teil des Buches.
Auch nicht ganz alltäglich bei Romanen.
Zumal man bedenken sollte, dass hier immer noch nur Papier verwendet wurde.
Keine Webseiten oder Videoclips wie z.B. bei Alternate Reality Games.


Dieses Buch - Werk? Erweitertes Buch? Buch mit gewissen Extras? - als eBook zu lesen wäre Verschwendung.
Ich habe zwar auch eine eBook-Version bei Amazon gesehen, aber dass schon eine "Warnung" der Autoren vorneweg kommt, dass diese Geschiche nicht für ein eBook gedacht ist und man sich um den Spaß bringt, sollte einen schon abbringen.

Auf deutsch finde ich die gebundene Version bei Amazon nicht mehr. Okay, als "limitierte Version" für 140 Euro. Komisch. Ich habe es für 45 Euro gekauft. Das fand' ich damals auch nicht gerade billig, aber wenn man sieht, wie viel Mühe in dem guten Stück steckt, sind die 45 Euro völlig in Ordnung. Gibt auch genug "normale" gebundene Bücher für 35 Euro.
Nun, die englische Ausgabe gibt es wohl noch für 23 Euro.
Weil ich die jetzt auch noch haben wollte, kann ich dann wohl bald einen Nachtrag schreiben, ob sich die deutsche - ehemals 45 Euro - von der englischen Version groß in der Art der Aufmachung uterscheidet....

Dienstag, 13. Juni 2017

Passengers - Praline mit creepy Füllung

 (Vorsicht! Enthält auch um die dicke Spoilerwarnung herum sehr viele Spoiler!) 

Da ich mal wieder nur halb hingehört hatte, dachte ich, es geht in "Passengers" um ein Raumschiff mit zwei Leuten als Besatzung, die ganz viele andere Leute im Cryoschlaf zu einem fernen Planeten bringen. Siedler bestimmt. 

Ist aber so nicht ganz richtig. Es ist schon ein dickes Siedlerschiff irgendwann in der Zukunft, das seine Passagiere zu einem weit entfernt Planeten bringt. Aber vollautomatisch. Wirkt wie ein riesiger Apple-Store. Mit Urenkel von Watson und Siri am Steuer. 
Schon langweilig. Also nett das Raumschiff an sich so. Sehr hübsch und edel, um genau zu sein, aber langweilig. Damit das nicht so bleibt, gibt es ein paar dicke Asteroiden, die es zu einem Zeitpunkt der Reise schaffen, den Deflektor zu durchschlagen. 
Folge ist zuerst einmal nur, dass eine einzige Schlafkapsel kaputt geht, deshalb aktiviert und der in ihr liegende Passagier  Jahre zu früh geweckt. 
Eigentlich sollen alle Passagiere wenige Monate vor der Landung am Zielplaneten geweckt werden. Diese letzten Monate bekommen sie Schulungen zu ihrem neuen Heimatplaneten und sollen wohl sonst noch ein wenig Kreuzfahrt-Feeling mitnehmen, bevor es ans harte Siedler-Leben geht. 

Aber Jim wurde jetzt 90 Jahre zu früh geweckt. Erst merkt er es gar nicht, da das ganze Schiff mit Hologramm und Robotern bestückt ist, die ihm hilfreich zur Seite stehen, aber nicht kapieren, dass er gar nicht wach sein sollte. Sieht ihre Programmierung nicht vor. 

Jim kapiert seine Lage dann allerdings doch recht schnell. Er ist Maschinenbauingenieur und versucht - nachdem eine Kontaktaufnahme mit der Erde an der Dauer der Zustellung seiner Nachricht scheitert - zuerst einfach seine Kapsel zu reparieren. Als das nicht gelingt ist sein nächster Versuch jemanden von der Crew zu wecken, aber er kommt einfach nicht durch die Sicherheitstür der Brücke. 
Der einzige an Bord, der ihm die Illusion gibt, dass er mit einem Menschen interagiert ist der androidische Barkeeper Arthur. 
Im Gespräch mit ihm kommt er auf die Idee die Sau raus zu lassen. Er zieht in ein Quartier der Luxus-Klasse - wir sind in einem Apple-Schiff und nicht bei Star Trek. Alles kostet extra und Jim ist kein reicher Kerl. 
Ansonsten macht er eigentlich was er will, läuft auch schon mal einen ganzen Monat nackt im Schiff herum. 

Doch nach einem Jahr ist er am Ende. Alleine zu sein für diese lange Zeit treibt ihn fast in den Selbstmord, bis er über die Kapsel einer der anderen Passagiere stolpert. Aurora ist Schriftstellerin und eine Zeit lang findet er Trost in ihren Geschichten und in den Videos, die sie vor  der Abreise aufgenommen hat. 
Er verliebt sich in diese Vorstellung von Aurora, die er auf Grund ihrer Geschichten und Videos hat. Er beschließt, sie auch zu wecken, auch wenn er lange zögert. 

Er sagt Aurora nicht, dass er sie geweckt hat, sondern lässt sie in dem Glauben, dass auch ihr Erwachen das Resultat einer Fehlfunktion sei. Zuerst macht sie ähnliche Phasen durch wie er zu Anfang - Kapsel reparieren, Crew wecken - doch dann richten sich die beiden ein und auch sie verliebt sich in Jim. 

Bis Arthur Aurora versehentlich steckt, dass Jim sie absichtlich geweckt hat. Natürlich rastet sie aus und versucht sogar eines Nachts Jim tot zu schlagen, der sich nicht wehrt und sie gewähren lässt, aber schlussendlich kann sie es nicht. Die beiden arrangieren ihre Tagesabläufe so, dass Aurora nicht auf Jim treffen muß. Was aber ein wenig wie ein geschiedenes Ehepaar dargestellt wird. 

DICKER SPOILER LOS Jedenfalls geht noch was Dickes am Raumschiff kaputt und endlich wird jemand von der Crew geweckt, der ihnen ein bisschen helfen kann, dann aber fast direkt wieder stirbt und sie mit einem bald explodierenden Reaktor zurück lässt. 
Sie raufen sich zusammen, auch weil Jim Aurora anbietet sie wieder in Schlaf zu versetzen, was mit den Codes vom Crewmitglied gehen würde, aber nur für einen der beiden. Sie lehnt ab und 88 Jahre später sehen die Aufgewachten restlichen Passagiere das Arboretum indes die beiden das Hauptdeck verwandelt hatten. 
Film fertig! SPOILER FERTIG 

Alles in allem ein netter SciFi-Film mit dicker Liebesgeschichte. 
Oder auch nicht.
Ich muss sagen, dass mir der Film wohl deswegen nicht so gruselig ist, wie er sein sollte, weil Chris Pratt den Ingenieur Jim spielt. 
Eigentlich spielt er wieder Starlord ohne die Überheblichkeit und mit ein bisschen mehr Nerdy-terdy. Mir ist die Figur anfangs sehr sympathisch und knuffig ist er auch. 

Aber hilft nix, dass hier im Grunde eine wahnsinnig gruselige Geschichte erzählt wird. Von einem Typen, der sich eine Vorstellung von einer Frau bastelt und glaubt sich in sie zu verlieben. 
Gut, Jim kann man abnehmen, dass er sich wirklich verliebt, aber was wäre, wenn Aurora doch ganz anders als wache Person ist, als er sie sich erdacht hat? Ganz abgesehen davon, dass er auch ihr unsympathisch bis gruselig hätte sein können. 
Es hilft auch nichts, dass sich Jim fast umgebracht hätte und er ein armer Kerl ist. Sympathie mit dem Täter hilft dem Opfer nicht. 

Der Film hätte auch damit weiter gehen können, dass er durchdreht, weil sie nicht seinem Ideal entspricht und sie sich in ihrem Quartier hätte einschließen müssen. Für 90 Jahre. 
Oder er nicht von ihr los kommt, obwohl sie in einfach nur nicht toll findet und eigentlich nichts mit ihm zu tun haben will. 
Da gibt es die Stelle an der er die Schiffslautsprecher nutzt, um mit einer Durchsage seine Situation zu erklären, obwohl sie nicht mit ihm reden will. Sie macht sehr deutlich, dass sie nicht hören will, was er zu sagen hat, aber er redet dennoch weiter. Da kommt der Grusel mal ziemlich weit durch...bis Jim wieder als der arme Kerl gezeigt wird. 
Aber ab diesem Punkt mag ich ihn eigentlich nicht mehr so sehen. Sie haben mir Starlord versaut! 

Es ist schon in der normalen Welt ein extrem schlechtes Gefühl, wenn man merkt, dass jemand, mit dem man eigentlich nicht wirklich viel zu tun haben will genau das will. 
Und dann auch noch alles daran setzt, dass man doch viel miteinander zu tun hat. 
Am schlimmsten ist es natürlich, wenn betreffende Person in einer Machtposition einem gegenüber ist: Chef, Lehrer, Tutor, der Typ auf dem Raumschiff mit den Muskeln und dem Schraubenschlüssel. 
Aber auch noch ganz allein mit so jemanden? Auf einem riesigen Schiff? 

Wenn man es so sieht, haben beide unglaublich viel Glück gehabt, dass sie den anderen eben nicht gruselig finden. Oder wer weiß wie viel daran liegt, dass einer von beiden - oder beide - einfach um nicht verrückt zu werden, sich dem Ganzen einfach ergeben hat.
Das bisschen Mordversuch von Aurora deckt diese ganze Thematik nur schlecht ab. Und dass sie schnell - wie oben schon angerissen - eher wie ein angepisstes, aber normales Paar in Trennung dargestellt werden, hilft auch nicht recht. 
Leider kann ich mich nicht mehr ganz aus dieser Perspektive befreien...und ich höre diese Sprüche: "Ach, Du will es doch auch!"

Ich finde also, dass ich dank coolem Schiff und knuffi Chris "Passengers" sehr gut startet und als SciFi-Liebesgeschichte funktioniert. Bis alles mit Auroras Erweckung abkracht und dann nicht den Mut findet auch uns Chris-Fans anzupinkeln und zu einem ehrlichen "Der Feind in meinem Bett" im All zu werden. 

Leider wird statt dessen viel herumgebügelt und die Liebesgeschichte mit Ach und viel Krachbumm gerettet. 
Zumindest für den Zuschauer, der sich die Augen mit Zuckerguss auswäscht und Aurora ihre Vergebung und Liebe abkaufen kann...

Sonntag, 11. Juni 2017

Assassin's Creed - Der Film...glaub' ich

Ich habe Assassin's Creed gesehen. Und bin beeindruckt. Schon ein Stück weit. Von mir. Natürlich. Nicht vom Film. Ganz sicher nicht. 
 Ich bin beeindruckt, dass ich es geschafft habe den ganzen Film zu sehen. Durchzuhalten.

Ich glaube, dass ich grundsätzlich sehr wohlwollend schlechten Filmen gegenüber bin. Dicke Logiklöcher kann ich verschmerzen, wenn es tolle Charaktere gibt. Oder umgekehrt: Hölzerne Typen/Tusen kann ich verschmerzen, wenn die Story wenigstens interessant ist. Oder die Action stimmt.
Manchmal kann ich auch nicht erklären, warum ich einen Film/eine Serie gut finde. Ich habe mal durch meine DVD/Bluray-sammlung geguckt, um ein Beispiel zu bringen, wie wohlwollend ich sein kann, wenn ich in der richtigen Stimmung für einen Film bin.
Meine Highlights . oder eher Lowlights:
Das "Ghostbusters"-Reboot fand' ich echt okay. Viel besser als befürchtet.
"Die Legende von Aang" war jetzt auch nicht schlimm. Also der Film, nicht "Avatar", der Anime, der war wirklich putzig.
Ich konnte sogar "Number 23" etwas abgewinnen. Obwohl Jim Carrey in diesem ernsten Film die Hauptrolle spielt. Und dieser Film hatte bei Rotten Tomatoes 8% von den Kritikern bekommen.

Aber es hat sich gezeigt, dass auch ich nicht jeden Film tolerieren kann. Klar, es gibt vielleicht noch zwei, drei andere, aber der aktuelleste ist "Assassin's Creed".
Alter Schwede, wie kann man nur einen Film so dermaßen verkacken?
Gut, man kann sagen, dass viele - fast alle? - Spieleverfilmungen nicht wirklich gut sind. Aber herrje, sogar "Warcraft" ist eine filmische Perle gegen "Assassin's Creed" und bei dem hat wohl nur geholfen, dass ich mich wie zuhause gefühlt habe in Azeroth. Als Film ist der jetzt auch kein Bringer.

Ich würde gern erläutern, warum "Assassin's Creed" so schlecht ist. Aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.
Gut, ich muss gestehen, ich besitze zwar ein - oder waren es zwei - Teil der Spiele-Reihe, aber bin bei beiden nicht über das Tutorial hinaus gekommen. Die liegen irgendwo, ich weiss nicht mehr wo und ich hatte bisher nicht den Nerv die zu suchen. Ich kann also nicht mal wie bei "Warcraft" einen Bonus für die Wiedererkennung geben.
Das muss man wohl im Hinterkopf behalten. Ich weiß nur, dass es da diese Spiele gibt, dass es Assassinen sind und irgendwie klinkt sich da einer der Assassinen in die Erinnerungen seiner vor Jahrhunderten gestorbenen Vorfahren ein, die natürlich auch Assassinen sind.
So in etwa.

Aber Videospiel-Verfilmungen wollen auch Menschen mitnehmen, die keine Ahnung von dem Spiel haben, also darf das jetzt kein Kriterium sein.
Ich wurde nach etwa fünf Minuten Spielzeit am Straßenrand vergessen. Nix mit Mitnehmen.
Schon klar, da ist dieser Typ, gespielt von Michael Fassbender - der Arme - der dieser Assassine ist, der in die Assassinen-Vorfahren einklinkt. Er soll eigentlich wegen Mordes hingerichtet werden, aber eine geheimnisvolle Organisation, die sich die Templer nennt, rettet ihn und klärt ihn so ein bisschen über seine Vorfahren auf, von denen er bisher nichts wusste.
Sie stecken ihn in eine Art virtuelle Realität, die von einem Rechner generiert wird, der anhand der Informationen in seiner DNA die Erlebnisse seines Vorfahren aus dem 15. Jahrhundert in Spanien wieder erlebbar macht. Bisschen so wie Holodeck.
Schlussendlich geht es darum, dass die Templer ein Relikt in ihren Besitz bekommen wollen, dass wohl zuletzt diesem Vorfahren gehört hat. Das Reliekt ist der Apfel der Erkenntnis aus der Bibel-Geschichte. Garten Eden, Rauswurf der Menschen etc.
Damit wollen sie alle Menschen kontrollieren und so Frieden schaffen. Die Assassinen jedoch sind die Verteidiger des Freien Willens.
Liest sich eigentlich recht interessant. Für einen Klopp-O-Action-Film.

Und Marion Cotillard und Jeremy Irons haben sich auch in den Film verirrt.
Wahrscheinlich haben sie sich wirklich verirrt, denn auch wenn die Story schon grob klar ist, ist die Art, wie sie im Film erzählt wird, total hin und her, wischi-waschi und die meiste Zeit frage ich mich, was denn jetzt ernsthaft die Motivation sein soll bei den Figuren und warum sie mitunter mitten im Satz zu wechseln scheint. Alle bleiben hölzern und mir so fern, dass es micht nicht juckt, wer stirbt, wer lebt.
Vielleicht könnte man sagen, dass wenigstens die Abschnitte in der Vergangenheit einen netten Film ergeben hätten, aber da die persönliche Motivation von keinerm der Assassinen auch nur gestreift wird...sind sie eigentlich mehr Spanisch-Stunden mit Kampfeinlagen. In der Vergangenheit wird nur Spanisch gesprochen. Ist kein Kritikpunkt, eher vielleicht der einzige positive Aspekt: Spanisch auffrischen.

Ich habe den Film tatsächlich bis zum Ende gesehen. Leider kann ich nicht mal daraus ziehen, dass ich ihn ordentlich bashen kann, weil er einfach so quallig ist. Viel Wasser und sonst fast nix.
Und was sollte das mit dem Vogel?



 

Dienstag, 6. Juni 2017

Das Buch der Spiegel

Manchmal muss ich Bücher einfach lesen. Wie "Das Buch er Spiegel" von E.O. Chirovici. Ich hatte das Ding an einem Nachmittag durch, aber ich würde auf jeden Fall sagen, dass es jetzt kein Meisterwerk war. Also nichts, was mich umgehauen hat.
Aber schlecht war es auch nicht.
Im Prinzip erzählt es auch eine spannende Geschichte und bleibt auch lange spannend: Ein Litareturangent bekommt ein Manuskript zugeschickt das noch nicht wirklich fertig ist und scheinbar die wahre Geschichte von einem länger zurückliegenden Mord an einem Professor erzählt. Zumindest so, wie sich eine dem Professor nahe stehende Person darin erinnert.
Aber da das Manuskript nicht fertig ist, erfährt man nicht, wer den Professor nach Meinung des Autors ermordet hat. Der Litareruragent will daraufhin wissen, warum das Ende fehlt oder ob der Autor vielleicht ein Ende geschrieben hat. Aber er erfährt, dass der vor drei Wochen gestorben ist und seiner Frau kein Ende des Manuskripts kennt.

Für Liebhaber spannender Geschichten liest sich das doch schonmal famos!
Aber famos ist es leider dann doch nicht.
Es wird einem recht viel versprochen - sowohl von der Werbung zum Buch, als auch im Anfang des Buches selbst, aber eigentlich nichts gehalten.
So scheint es noch, was würde eine Geschichte aufgebaut, die am Ende ganz anders ausgeht, als man erwarten könnte, da immer wieder betont wird, dass ermordeter Professor sich damit beschäftigt, wie man Erinnerungen manipulieren kann Am besten, ohne dasss der Manipulierte es bemerkt.
Auch die Assistentin des Professors scheint mysteriös, ungreifbar und äußerst verdächtig.

Drei verschiedene Perspektiven kommen im Buch "zu Wort". Erst der Litarauragent, dann der Privatdetektiv, der sich im Auftrag des Agenten der Suche nach dem Rest des Manuskriptes annimmt und schließlich der EX-Cop, der denn Fall lösen will.
Alle drei sind ziemlich austauschbar. Auch wenn drei verschiedene Perspektiven sicher passen würden zu einer Geschichte, die einem zeigen soll, wie verschiedene Erinnerungen Einfluss auf einen selbst und auch ein Geschehnis haben, so ist es im Endeffekt egal, wer von den drei Herren gerade dran ist.
Sie sind alle drei recht blass und großartige Unterschiede in ihren Herangehensweisen oder Ansichten zum Fall habe ich jetzt auch nicht erkannt.
Was das Handwerkliche angeht, kann ich bei "Das Buch der Spiegel" absolut nicht meckern. Stil und Sprache sind sehr gut, daher bin ich auch wohl dran geblieben. Und weil ich bis zum Schluss noch hoffte, dass das Ding gleich richtig abhebt.

Ich mag zwar nicht spoilern, aber das Ende hat mich dann doch sehr enttäuscht. Keine unglaublich komplizierte Verschwörung oder krasse Manipulation aller Erinnerungen der Beteiligten, sondern nur ein mittelmäßiger Mord, der vielleicht eine nette Folge bei "The Mentalist" ergeben hätte, aber auch nicht mehr.
Eigentlich hoffe ich, dass ich noch in einer anderen Rezension oder vielleicht bei nochmaligem Lesen plötzlich peinlich berührt erröte und merke, dass ich das Buch völlig falsch verstanden habe und zwischen den Zeilen doch diese grandiose Manipulation vielleicht meiner Erinnerungen statt gefunden hat.

Montag, 5. Juni 2017

Schreibzeug - Womit ich gern schreibe

Ich versuche seit Jahren etwas Längeres als bloße Anfänge von Geschichten zu schreiben. Hin und wieder ist es mir mal gelungen auch ein Ende für eine Geschichte zu finden, aber das passiert eher selten.
Logische Folgerung: Ich höre einfach nicht auf zu schreiben. Mal sehen, wie weit mich eine Geschichte tragen kann.
Als ich dachte, dass das eine gute Idee wäre, schrieb ich noch überwiegend in Notizbücher. Habe ich dann auch mit der Geschichte gemacht, für die ich erstmal kein Ende suchen wollte.
Ergebnis waren dann etwas mehr als 100 eng beschriebene DIN A5-Seiten, bis es mir kam, dass es doch besser wäre, wenn ich diese Geschichte (und eigentlich alle anderen auch) in elektronischer Form hätte. Kann man besser korrigieren, muss man nicht immer das eine bestimmte Notizbuch dabei haben und falls man dann einen Leser finden würde, könnte man immerhin ein PDF erstellen. Damals habe ich nicht an eBooks gedacht.
Klar, dass ich dann erstmal bei OpenOffice und dann auch bei Word gelandet bin. Aber ich muss gestehen, das blöde Abtippen von diesen 100 Seiten hat mich schon endlos genervt, als ich bei 11 Word-Seiten angekommen war. Habe dann noch eine Weile nach Spracherkennungssoftware gesucht, aber das war mir dann doch zu teuer. Und zu blöd. Und überhaupt.
Aber dennoch wollte ich alles lieber elektronisch haben.

Weil ich faul bin und Motivation brauche, habe ich dann einfach eine andere Geschichte angefangen. Fantastischer Realismus mit tiefschürfenden Gedanken, wie bei meinem ersten Versuch, ist mir doch eh zu hoch. Schreibe ich doch lieber etwas, was locker-flockig von der Hand geht und ich selbst auch gern lesen würde. Gut, fantastischen Realismus lese ich auch sehr gern, aber bei Urban Fantasy sehe ich mich eher als jemanden, der weiß, wovon sie schreibt.
Und da mir immer noch viele Ideen unterwegs kommen, bin ich dann bei Google gelandet. Da kann ich meine Datei ablegen und vom Handy, PC und Tablett aus schreiben. Das ist doch toll!
Überkommt mich die Inspiration auf dem Klo, könnte ich auch diese Momente nutzen.

Immerhin besser, als ein Notizbuch, das man auch verlieren kann.
Allerdings hat das auf dem BlackBerry-Handy nicht wirklich funktioniert. Und Google-Docs ist auch nicht die Mutter der Komfortabilität...Komforta...nicht wirklich praktisch.

Auf der Suche, ob es da nicht ein Programm gibt, dass praktischer war, fand' ich yWriter5
Das ist nicht nur ein Programm, um vor sich hinzuschreiben. Es bietet auch die Möglichkeit z.B. Beschreibungen zu den verschiedenen Figuren abzulegen, in die man immer mal wieder schauen kann, wenn man sich nicht mehr ganz sicher ist, welche Motivation welche Figur nochmal hatte.
Auch Gegenstände oder Orte können hinterlegt werden.
Oder Berichte bezüglich der Anzahl der Wörter o.Ä. können erstellt werden.
Alles in allem schon eine deutliche Verbesserung gegenüber den einfachen Textverarbeitungsprogrammen, wenn man eine ausufernde Geschichte mit vielen Figuren im Blick haben will.
Für eine Weile war ich auch glücklich damit.
Die Datei habe ich nicht lokal auf dem alten IBM-Thinkpad gesichert, mit dem ich seitdem die meiste Zeit schrieb, sondern daheim auf dem NAS. Ich hatte da immer noch diese Notizbuch-Mentalität, dass ich möglichst von vielen Geräten auf die Geschichte zugreifen müsste. Aber es hat sich gezeigt, dass ich eigentlich nur noch auf dem Thinkpad schreibe.
Mag damit zusammenhängen, dass ich auf den Trichter gekommen war, dass Plotten vielleicht eine gute Idee wäre. Wenn ich schon kein Ende in Sicht hätte, könnte ich mir wenigstens Gedanken dazu machen, wie der Weg zu dem nicht vorhandenen Ende aussehen könnte.
Die Notizbücher gehen jetzt also für das Plotten drauf. Und kleine Notizen lassen sich leichter abtippen als 100 DIN A5-Seiten.

Eine Weile war ich also recht selig. Doch irgendwas fehlte mir noch. Noch mehr Komfort. Ein bisschen wenigstens. Und dann bin ich über Papyrus Autor  gestolpert.
Boah, sieht das cool aus! Das hilft mir doch bestimmt mit meiner Schreiberei zu  Potte zu kommen! Aber leider ist das gute Stück nicht kostenlos. Ich habe also eine Weile mit mir gerungen. Die Demoversion hatte mich dann aber doch so dolle angefixt, dass ich es mir dann doch zum Geburtstag geschenkt hatte. Oder Weihnachten. Hatte jedenfalls eine tolle Ausrede!

Im Gegensatz zu yWriter5 ist es wieder ein ganz schöner Sprung: Die Figuren können direkt aus dem Text in eine Datenbank verlinkt werden, ich kann jetzt an jeder Stelle überall Notizen anfügen. Mit lustigen virtuellen PostIts oder wie Kommentare in PDF-Dateien. Dann habe ich Klemmbretter und einen Zeitstrahl, um die Übersicht zu behalten. Kann auch Bilder mit in die Notizen packen und die Figurendatenbank ist um einiges aufgegliederter als die von yWriter5.
Ich kann die Änderungen im Text zurückverfolgen, ich kann Textpassagen, die mir nicht gefallen in Geistertext wandeln. Ich kann mir nur Dialoge meiner Figuren anzeigen lassen. Ach und man kann direkt alles in Normseiten umwandeln. Und in verschiedene eBook-Formate.
Wahrscheinlich gibt es noch drölfzig Dinge, die mir nicht einfallen, die das Ding auch noch kann, aber für mich und meine Bandwurmsätze war vor allem die Stilanalyse interessant.
Hier analysiert Papyrus Autor, ob denn ein Satz auch einen guten Stil hat. Dass das Ding auch eine superduper Rechtschreibkorrektur vom Duden hat, sollte auch nicht unerwähnt bleiben.

Man kann sich natürlich darüber streiten, ob die Stilanalyse auch stilsicher ist, aber ich finde eine unbeteiligte (automatische) zweite Meinung sehr hilfreich. So bevor man sich an menschliche Leser traut.

Mir war es das Geld für Papyrus Autor auf jeden Fall wert und ich bin damit auch glücklicher als mit yWriter5. Wobei das auch kein schlechtes Programm ist. Man muss wohl einfach für sich selbst herausfinden, womit man am besten schreiben kann. Was die Werkzeuge angeht, so bin ich jetzt auf jeden Fall soweit, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, dass mir was fehlt.
Abgesehen vielleicht von einem Whiteboard, das ich mir an die Wand hänge. Aber das gibt's dann erst, wenn ich mal die 100 Seiten mit der neuen Geschichte geschafft habe. Belohnungen können durchaus motivierend wirken.

P.s.: Meine Blogs haue ich einfach so bei Blogger 'rein. Habe mal überlegt, ob es nicht nett wäre, wenn ich die vorher mal in Word schreibe, damit ich nicht alles voller Tippfehler habe. Ich lese meine Blogs vor dem Veröffentlichen eigentlich selten nochmal durch.
Wahrscheinlich liegt es daran, dass für mich ein Blog möglichst spontan sein sollte. Ich habe auch ein-, zweimal in Word vorgeschrieben. Das Problem ist, dass ich dann vielleicht mit weniger Tippfehlern auskomme, ich aber auch noch längere Texte schreibe. Bei Geschichten ist viel Text vielleicht wünschenswert, aber bei  meinem Blog versuche ich doch eigentlich eher mich zurückzuhalten...